Teaming, wie es Amy Edmondson beschreibt, ist nicht einfach Zusammenarbeit im Team, sondern ein dynamischer Prozess des gemeinsamen Lernens, Improvisierens und Ko-Kreierens, oft über disziplinäre, hierarchische oder institutionelle Grenzen hinweg.
Das Konzept lässt sich gut auf gesellschaftliche Entwicklungen übertragen.
Gesellschaftliches Lagerdenken basiert oft auf fixen Rollen: Nation, Geschlecht, Beruf, Religion, Klasse.
Teaming verlangt situative Rollen: “Was brauchen wir in diesem Moment – und wer bringt es ein?”
→ Menschen treten nicht als Repräsentant*innen eines Lagers auf, sondern als Beitragende zu einem gemeinsamen Ziel.
Lagerdenken stützt sich oft auf stabile Narrative („Wir vs. die anderen“, „unsere Wahrheit“).
Teaming setzt auf kollektives Lernen und „Learning while doing“.
→ Das verändert auch die Kultur von Debatten: weniger Überzeugen, mehr Verstehen und Mitgestalten.
In klassischen Gesellschaftsbildern wird Autonomie häufig überhöht.
Teaming macht Verwobenheit sichtbar: ich bin auf andere angewiesen, um wirksam zu sein.
→ Das reduziert Misstrauen und fördert das Denken in systemischen Zusammenhängen.
Teaming funktioniert nur, wenn Menschen Fehler machen dürfen, Verletzlichkeit zeigen können und gehört werden.
→ Eine Gesellschaft, die Teaming ermöglicht, ist eine Gesellschaft, die unsichere Übergänge aushält, ohne gleich ins Lagerdenken zurückzufallen.
| Prinzip | Gesellschaftlicher Shift |
|---|---|
| Zielorientierung über Identität | Was wollen wir gemeinsam bewirken – statt: Wer sind wir? |
| Situative Rollen | Dynamik statt Hierarchie oder Statusdenken |
| Kollektives Lernen | Mehr Räume für Co-Creation und Interdisziplinarität |
| Sichere Zonen für Austausch | Community Labs, offene Dialogformate, “Safe-to-fail”-Projekte |
| Transparenz & Reflexion | Fehlerkultur, Feedbackprozesse, Ethik im Handeln |
🧩 Teaming unterwandert auf produktive Weise das Lagerdenken, weil es auf Zweck, Beziehung und Prozess basiert – nicht auf statische Strukturen. Es bietet eine praxeologische Ethik: nicht „was ist richtig?“, sondern „wie handeln wir zusammen sinnvoll in diesem Moment?“.
…bezeichnet einen Zugang zur Ethik, der vom Handeln selbst ausgeht, statt von abstrakten Normen, Prinzipien oder Tugenden.